6 Gründe, um ein „Third Culture Kid“ auf den Philippinen aufzuziehen

Antonio ist 4 Jahre alt. Er ist vor 3 Jahren von Europa auf die Philippinen gezogen. Er ist ein blonder Junge mit blauen Augen und jeder kennt ihn in dem Dorf, in dem er lebt. Er spricht auch drei Sprachen, weiß, wie man Fische fängt und Meeresfelsen erklimmt. Er ist ein TCK (Third Culture Kid) und er liebt es.

Die Philippinen sind aus vielen Gründen ein Entwicklungsland (Infrastruktur, Internetanschluss, medizinische Versorgung, etc.). Es hat aber auch viele Qualitäten, von denen die westlichen Länder viel lernen können. Eine dieser Qualitäten ist die Geduld, Liebe und das Verständnis, das die Filipinos für kleine Kinder haben.

Hier sind 6 Gründe, warum ich es für großartig halte, ein Third Culture Kid auf den Philippinen einige Jahre aufwachsen zu lassen:

1. Kinderliebende Kultur

„Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen“. Dieses alte Sprichwort ist so wahr. Die Menschen in den meisten Ländern Asiens und ganz besonders auf den Philippinen lieben Kinder. Männer und Frauen werden um Babys herum gaga – umso mehr, wenn diese Babys blond sind und blaue Augen haben. Als Mutter mit Kind fühlt man sich sehr willkommen und sicher. Filipinos sind auch sehr hilfreich, verständnisvoll und freundlich, wenn es darum geht, ein kleines Kind zu tragen. Antonio braucht nur 30 Minuten, um vom Eingang des Manila Airport zum Boarding Gate seines Langstreckenflugzeugs zu gelangen. Das liegt daran, dass alle lächeln und ihn durchwinken. So müssen Antonio und seine Mutter nie beim Check-in oder Boarding anstehen.

2. Er spricht viele Sprachen

Auf natürliche Art und Weise begann Antonio, 3 Sprachen zu sprechen. Deutsch, Englisch und Tagalog. Die philippinische Familie und die DorfbewohnerInnen sprechen Tagalog. Im Kindergarten sprechen die LehrerInnen Englisch und seine Mutter spricht mit ihm nur Deutsch. Er spricht auch die universellen Sprachen der Kleinkinder. Als Antonio zum ersten Mal Xavier (einen dreijährigen australischen Klassenkameraden) traf, sprach Antonio „Germalog“ (Deutsch und Tagalog) und Xavier sprach „Englonisch“ (Englisch und Chinesisch – er kam gerade von einem Einsatz seiner Eltern in China). Die beiden Jungs verstanden sich sofort.

3. National Geographic Lektionen

Bei Ebbe läuft Antonio um die Felsen am Strand herum und schreit „Krabben!“. Er sammelt die winzigen Muschelschnecken und lässt sie auf einem großen Stein ein Rennen veranstalten. Er macht auch „Land-Kunst“ aus Korallen, Steinen, Blumen, Holzstäben, Bambus und Muscheln. Er hat einen echten Oktopus gesehen und liebt die blauen Korallenfische. Er weiß, dass Salzwasser gut für seine Gesundheit ist, besonders wenn er verkühlt ist. Antonio kann eine Angelschnur halten und echte und imaginäre Fische zum Abendessen fangen.

4. Respekt gegenüber älteren Menschen

Ältere Menschen sind in der philippinischen Kultur sehr angesehen. Tatsächlich verdient jeder, der älter ist als man selbst, Respekt und ist mit dem entsprechenden Titel anzusprechen. Nake (6 Jahre alt) ist älter als Antonio, also nennt er sie „Ate Nake“ (ältere Schwester Nake, auch wenn sie nicht blutverwandt sind). Antonio nimmt auch die Hand eines Familienälteren und legt sie als Zeichen des Respekts auf seine Stirn. Es ist der Segen der Ältesten, der beide zum Lächeln bringt. Alle Menschen sind miteinander verbunden. Antonio lernt diese Weisheit von Anfang an und kann sie auch dann anwenden, wenn er in der westlichen Welt ist, wo er respektvoll mit seinen europäischen Großeltern umgeht.

5. Omega3-Hirnnahrung

Antonio wächst hauptsächlich mit superfrischem Fisch auf, der im Meer vor seinem Haus gefangen wird. Fischöle sind ein reiner Gehirnbeschleuniger, speziell für die Entwicklung von Körper und Geist eines Kleinkindes.  Frischer Fisch, Bio-Braunreis, hausgemachtes Gemüse, tropische Früchte und Schweizer Müsli sind das, was Antonio die meiste Zeit isst.

6. Das Beste aus beiden Welten erleben

Wenn Antonio im Sommer in Europa ist, spielt er Fußball, geht ins Marionettentheater, fährt mit dem Zug zu seinen Freunden nach Hamburg oder besucht den Wiener Zoo. Es gibt Spielplätze und Kindermuseen, Seen und Wälder und viele leckere Kuchen, für die man dankbar sein sollte. Antonio hat einen „Seelenverwandten“ in Österreich und einen „besten Freund für immer“ auf den Philippinen. Dorfkinder zwischen 3-15 Jahren spielen täglich mit ihm und es scheint, dass Antonio die Vielfalt der Altersgruppen, Kulturen, Sprachen, Klima, Essen und Aktivitäten einfach liebt. Er ist in Europa genauso glücklich wie auf den Philippinen.

Die unsichtbare Kultur

Es besteht kein Zweifel daran, dass diese Art von Leben für viele Kinder sehr bereichernd ist. Allerdings hat jedes Kind seine eigene Persönlichkeit und Bedürfnisse. Es ist wichtig, dem kleinen Menschen genau zuzuhören, um zu wissen, was für ihn oder sie funktioniert und was nicht. Für Antonio ist dies ein großartiger Ort, an dem er das Beste aus zwei Welten genießen kann. Wie im aufschlussreichen Buch von David C. Pollock und Ruth E. Van Reken erwähnt: „Third Culture Kids – Aufwachsen zwischen den Welten“, wird dieser Ort Teil seiner Identität sein und heißt „Third Culture“, die in ihm verankert ist – oft unsichtbar für andere – und eine sehr wertvolle Lebenserfahrung sein wird.

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